Wer kennt sie nicht die trompetenhaften Rufe der Kraniche, die Frühmorgens lautstark den neuen Tag begrüßen. In den Abendstunden versammeln sie sich zahlreich und verbringen gemeinsam die Nacht auf ihren flachen Schlafgewässern. Diese Stunden möchte ich nutzen um den Vögeln etwas näher zu kommen ohne sie dabei zu stören. Da sie nicht merken sollen das sie beobachtet werden, galt es erst einmal einen Platz für ein geeignetes Ansitzversteck zu finden, was gar nicht so einfach war.  Mit etwas Vorarbeit war es schließlich gefunden und eingerichtet und bildet jetzt die Basis für mein fotografisches Abenteuer in den nächsten Wochen.



07. JULI 2019

Mein erster Ansitz fand in den Abendstunden statt. Am späten Nachmittag bezog ich mein Versteck, richtete mich ein und wartete ab. Geduld ist eine Tugend die jedem Naturfotografen Eigen sein sollte. Die Sonne stand schon tief, als die ersten Kraniche einflogen. So nach und nach versammelten sich immer mehr im flachen Wasser des Teiches. Zu meinen Glück landeten Einige am rechten Fleck, und wärmten sich in der Abendsonne. So schön ausgeleuchtet, ließen sie sich in feinsten Licht auf den Sensor bannen. Fürs erste war ich zufrieden.

 

Das ich gleich am ersten Tag etwas Besonderes fotografiert hatte, merkte ich erst nachdem ein befreundeter Fotograf mich darauf aufmerksam gemacht hatte. Kraniche haben gerade, spitze Schnäbel... dieser hier aber eindeutig eine Fehlbildung, denn der obere Teil war nach unten gebogen, der untere Schnabelteil entsprechend kürzer. Keine Ahnung, ob er schon so geboren wurde oder die Anomalität die Folge eines Unfalls war. Es schien ihn aber nicht weiter zu beeinträchtigen und wer weiß, vielleicht hat diese Schnabelform ja auch den einen oder anderen Vorteil gegenüber dem Normalen.. 



24. JULI 2019

Das erste zarte Morgenrot säumte gerade den Horizont als ich mein Ansitz erreichte. In der Nacht hatte es geregnet. Jetzt war der Himmel klar aber diffuse Nebelschwaden wabberten über den Teich. Das Schilf das den schmalen Pfad durch das Ried säumte, war klatschnass. Passt ja... Kurze Zeit später bezog ich triefend mein Versteck, baute die Kamera auf und gönnte mir eine Becher Kaffee. Der Spießrutenlauf durch das Schilf war vergessen. Naturfotografie kann durchaus auch entspannend sein.

 

 

Das Morgenrot wurde intensiver, die Sonne stieg über den Horizont, brach sich im Nebel und tauchte die Umgebung in ein wunderbar magisches Licht wie ich es selten zuvor gesehen hatte. Fast unwirklich zog mich die Szenerie in ihren Bann so dass ich beinah vergaß die Kamera auszulösen.


Mit dem Schwinden des Nebels, wandelte sich auch das Licht. Als wäre der Moment nicht Lohn genug, ließ sich zu meinem Glück auch noch diese junge Eisvogeldame in meiner Nähe nieder, und krönte meinen morgendlichen Ansitz. Die Mühen des frühen Aufstehens, sie waren vergessen.



Ein Bild zeigt immer nur den Wimpernschlag eines Augenblicks, die wahre Stimmung vor Ort und die damit verbundene Geräuschkulisse kann man jedoch nur erahnen.

Das lautstarke Spektakel beginnt im ersten Morgengrauen und begleitet den Start der einzelnen Kranichgruppen zu ihren Futterplätzen. Erst wenn der letzte Kranich den See verlassen hat, verstummen die charakteristischen Rufe der Vögel und es kehrt Ruhe ein.




Fortsetzung folgt...